{"id":766,"date":"2009-09-10T22:42:03","date_gmt":"2009-09-10T20:42:03","guid":{"rendered":"http:\/\/schiffsratten.de\/blog\/?p=766"},"modified":"2009-09-13T14:51:02","modified_gmt":"2009-09-13T12:51:02","slug":"ein-tag-an-bord","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/schiffsratten.de\/blog\/?p=766","title":{"rendered":"Ein Tag an Bord"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Banner RL Segeln\" src=\"http:\/\/www.feilschen24.de\/second_life\/banner_rlsegeln.gif\" alt=\"\" width=\"524\" height=\"160\" \/><\/p>\n<p>Ich liege im Schatten der Genua auf dem Bug unserer Atlantis, eine Dehlya 25, und d\u00f6se vor mich hin. Warten auf Wind. Sachte streichelt mir die Genua \u00fcber den R\u00fccken, ein leichter Lufthauch umstreicht meinen K\u00f6rper, ich blinzele \u00fcber den Bug in das glitzernde Wasser, kleine gekr\u00e4uselte Teppiche auf dem See k\u00fcnden den Wind an.<\/p>\n<p>Mit leichtem zupfen an den Schoten versuchen wir den Wind einzufangen, die Segel bl\u00e4hen leicht auf, noch das Achterstak etwas dichter holen um dem Gro\u00dfsegel mehr Profil zu geben. Jetzt haben wir ihn, wir haben den Wind in unseren Segeln gefangen und unsere Atlantis gleitet lautlos \u00fcber den See. Es ist ganz still, auch wir sprechen kein Wort. Ganz kleine Wellen gehen f\u00e4cherf\u00f6rmig vom Bug aus und ab und zu schieben sich kleine Luftblasen am Rumpf vorbei.<\/p>\n<p>Ein leises pl\u00e4tschern am Bug verr\u00e4t uns, dass unser Boot Fahrt aufnimmt und sich mit ca. zwei Knoten \u00fcber den See bewegt. Wo segeln wir eigentlich hin? Keine Ahnung, wir segeln dahin wo uns der Wind hintreibt. Wir sitzen im Cockpit und genie\u00dfen diese Freiheit mit dem Wind \u00fcber den See getragen zu werden, keiner Verpflichtung nachkommen zu m\u00fcssen und dem Stress des Alltages einfach zu entfliehen.<\/p>\n<p>Das leise pl\u00e4tschern am Bug ist mittlerweile zu einem leisen rauschen geworden, das mit jeder Welle deutlich zu h\u00f6ren ist. Auch am Heck f\u00e4ngt es leise zu gurgeln an. So macht segeln Spa\u00df.<\/p>\n<p>Vor uns segelt ein Boot, das der Gr\u00f6\u00dfe unserer Atlantis entspricht. Kriegen wir den? Jetzt nur nichts falsch machen, die Wollf\u00e4den im Vorsegel fest im Blick und nicht zu weit abfallen oder anluven. Langsam schieben wir uns an das andere Boot heran und \u00fcberlegen auf welcher Seite wir \u00fcberholen. In Lee oder Luv. Lee ist schwierig, da kommen wir in seine Abdeckung und Luv? H\u00f6her an den Wind kommen wir auch nicht, der segelt schon ganz hoch am Wind. Also aufkreuzen und noch mal probieren? W\u00e4hrend wir noch \u00fcberlegen, f\u00e4llt das andere Boot ab und geht auf einen Raumschotkurs. Also in die Richtung wollen wir nicht, wir winken dem Segler noch mal freundlich zu und behalten unseren Kurs bei.<\/p>\n<p>Wir segeln mittlerweile unter Land, der Wind hat nachgelassen und wir bereiten uns auf eine Wende vor. &#8222;Klar zur Wende&#8220;, &#8222;ist klar&#8220;, und &#8222;\u00fcber die Segel&#8220;. Kurz backhalten des Vorsegels w\u00e4hrend das Schiff durch den Wind geht, dann werfe ich die Fockschot los und hole sie in Lee wieder dicht. Aber nichts geht mehr, was ist los? Die Segler um uns herum haben das gleiche Problem, die Segel h\u00e4ngen ohne Profil runter und der Windex im Top f\u00e4hrt Karussell. Wir sind in einem Flautenloch gelandet und d\u00fcmpeln so vor uns hin. In weiterer Entfernung sehen wir, dass dort das Wasser sich dunkel f\u00e4rbt, auch nehmen dort die Boote wieder Fahrt auf. Da kommt wieder Wind, langsam schiebt sich diese Front auf uns zu. Pl\u00f6tzlich, die Atlantis kr\u00e4ngt bis 25 Grad, der Wind rei\u00dft sie nach vorne und wir rauschen mit sechs Knoten \u00fcber den See. Immer wieder einfallende B\u00f6en gestalten den so gem\u00fctlich angefangenen T\u00f6rn zur Gymnastikstunde, bei 35 Grad Kr\u00e4ngung st\u00fctzen wir uns mit den F\u00fc\u00dfen auf der gegen\u00fcberliegenden Sitzbank ab, fast im Schiff stehend versuchen wir so viel wie m\u00f6glich Gewicht auf die hohe Kante zu bringen um die Atlantis wieder aufzurichten.<\/p>\n<p>Und wieder eine B\u00f6e, ich sehe sie ganz deutlich auf uns zukommen, dort ist das Wasser dunkler gef\u00e4rbt und die Wasseroberfl\u00e4che st\u00e4rker gekr\u00e4uselt, dann ergreift sie das Schiff, es neigt sich zur Seite, der Kr\u00e4ngungsmesser geht bis zum Anschlag, der Geschwindigkeitsmesser zeigt sieben Knoten an, die Rehlingsst\u00fctzen werden vom Wasser umsp\u00fclt, die Achterlieks der Segel fangen an zu flattern und der Ruderdruck steigt erheblich an, die Atlantis will in den Wind, aber wir lassen sie nicht.<\/p>\n<p>Da so zu segeln ziemlich anstrengend ist, entschlie\u00dfen wir uns ein Reff einzubinden. Bei Saisonstart oft genug ge\u00fcbt: Gro\u00dfsegel bis zur Markierung auf dem Fall einholen, Gro\u00dfschot und Niederholer \u00f6ffnen, Reffleine durchsetzen und mit den Reffb\u00e4ndeln den gerefften Teil des Segels auf den Baum binden. Gro\u00dfschot und Niederholer wieder dichtholen. Hat geklappt, ge\u00fcbt ist halt ge\u00fcbt.<\/p>\n<p>Mit gerefftem Segel l\u00e4uft die Atlantis immer noch sechs Knoten, aber kr\u00e4ngt nicht mehr so stark. So kommen wir z\u00fcgig voran und erreichen den Hafen, den wir f\u00fcr die \u00dcbernachtung ausgew\u00e4hlt haben, am sp\u00e4ten Nachmittag. Ein paar hundert Meter vor der Hafeneinfahrt bergen wir die Segel, machen klar Schiff und laufen unter Motor in den Hafen ein. Nach etwas suchen finden wir einen freien Gastplatz, in dem wir unsere Atlantis festmachen.<\/p>\n<p>So ein Segeltag macht hungrig, heute Abend gibt es Lammkotelett mit frischen Bohnen und Kartoffeln. Wir bereiten gemeinsam das Abendessen vor und lassen es uns im Cockpit schmecken, begleitet von so manchem neidischen Blick unserer Bootsnachbarn (in die Wirtschaft gehen kann jeder, grins). Wir kommen ins Gespr\u00e4ch und quatschen \u00fcber das zur Zeit herrschende tolle Segelwetter und alles m\u00f6gliche. Genie\u00dfen wieder einen sehr sch\u00f6nen Sonnenuntergang und kriechen sp\u00e4t abends m\u00fcde aber gl\u00fccklich in unsere Vorschiffskojen. Die Geschehnisse des Tages kreisen noch mal durch den Kopf und ein leichter Wellengang wiegt uns in den Schlaf.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-769\" src=\"http:\/\/schiffsratten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/DSC02014_blog.jpg\" alt=\"DSC02014_blog\" width=\"522\" height=\"392\" srcset=\"http:\/\/schiffsratten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/DSC02014_blog.jpg 522w, http:\/\/schiffsratten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/DSC02014_blog-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 522px) 100vw, 522px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich liege im Schatten der Genua auf dem Bug unserer Atlantis, eine Dehlya 25, und d\u00f6se vor mich hin. Warten auf Wind. 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